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Richtlinienbuch:
Qualitätsanforderungen an frauenadäquate EDV-Ausbildung

0. Vorwort

"Es war mit Abstand der beste Kurs, den ich je besucht habe. Ansonsten war ich immer nur in Nullachtfünfzehn-Kursen, die von Männern gehalten wurden!" zieht eine Kursteilnehmerin Resumee über eine frauenspezifische Computerausbildung, die speziell für ihre Zielgruppe konzipiert war.

Dass Frauen sich der Kommunikations- und Informationstechnologien anders bedienen als Männer, ist seit deren Existenz eine Binsenweisheit. Die Gründe für diese unterschiedliche Herangehensweise liegen nicht zuletzt in unserem Bildungssystem, welches sich nach wie vor am männlichen Lebenslauf orientiert. Die Auswirkungen der geschlechtsspezifischen Sozialisation zeigen sich nicht zuletzt auch in der Berufs- und Ausbildungswahl von Mädchen und jungen Frauen mit den bekannten Folgen: Sie wählen zu über 50 Prozent nur zehn Lehrberufe, sie entscheiden sich zu weniger als zehn Prozent für ein naturwissenschaftlich-technisches Studium. Und: Sie bedienen sich der neuen Technologien, aber sie gestalten sie nur zu einem sehr geringen Prozentsatz selbst mit.

Will sich Bildungsarbeit (Erwachsenenbildung, Aus- und Weiterbildung) nicht weiterhin an männlich gesetzten Normen von Bildung und Erwerbsarbeit orientieren und damit die Bedürfnisse lernender Frauen fast völlig ignorieren, müssen die Geschlechterdifferenzen im Lernverhalten Erwachsener in der Planung, Organisation und Durchführung aller Bildungsangebote nachhaltig berücksichtigt werden.
Frauen wollen "Anderes" "anders" lernen und stellen damit die traditionellen Inhalte und Didaktik des tradierten Ausbildungssystems in Frage. Ausbildungsmaßnahmen für Frauen im Bereich neuer Informations- und Kommunikations-technologien (IKT) stehen dabei im doppelten Spannungsverhältnis:
Um frauenadäquat zu sein, müssen einerseits Inhalt und Methodik an die Zielgruppe adaptiert werden, andererseits muss die Auseinandersetzung mit der rollenuntypischen Zuschreibung Frau & Technik/Technologie aufgegriffen und adaptiert werden
Mit diesen Richtlinien stellen wir unsere Maßstäbe an eine qualitätvolle EDV-Ausbildung für Frauen vor. Sie dienen einer grundlegenden Orientierung und Erweiterung bereits bestehender Schulungskonzepte für VeranstalterInnen, OrganisatorInnen von und Trainerinnen in EDV-Ausbildungen für Frauen. Es ist uns bewusst, dass wir mit diesen Qualitätsanforderungen sehr hohe Standards setzen. Dennoch möchten wir BildungsträgerInnen, EDV-AusbildungsentwicklerInnen und TrainerInnen dazu anregen, sich mit diesen Vorschlägen auseinanderzusetzen und sie schrittweise in ihren Schulungskonzepten zu verwirklichen. Wir sind der Ansicht, dass die meisten der von uns beschriebenen Anforderungen in alle Computerkurse - sowohl für Männer also auch für Frauen - Eingang finden sollten. Aus diesem Grund motivieren wir AusbildungsträgerInnen, Trainerinnen und Trainer in gemischtgeschlechtlichen Gruppen dazu, diese Richtlinien zu reflektieren und umzusetzen. Nicht zuletzt laden wir AuftraggeberInnen von EDV-Schulungsmaßnahmen für Frauen ein, bei Auftragsvergaben diesen Richtlinienkatalog als Auswahlkriterium heranzuziehen.

Die vorgelegten Qualitätsrichtlinien decken folgende Bereiche ab:

1) Frauenadäquatheit

Die folgenden Aspekte stellen für uns die Grundvoraussetzung für die Durchführung von EDV-Ausbildungen für Frauen dar. Frauenförderung im Bereich der IKTs bedeutet für uns nicht nur, reine Frauenausbildungsgruppen zu führen, sondern vor allem die bewusste Fokussierung auf den weiblichen Lebenszusammenhang und seine Bedeutung für die weibliche Lebensrealität.

"Schade um die Zeit, die Frauen in Kursen von Männern absitzen." (Internetkurs-Teilnehmerin)

Trainerinnen
Aufgrund der geschlechtsstereotypen Zuschreibung, dass Computertechnologien Männersache wären, begegnen Frauen sowohl Trainern als auch den IKTs häufig mit wenig Selbstvertrauen. Weiters zeigt sich eine deutliche Differenz im Umgang mit eben diesen Technologien: Während Frauen sich diese eher als Werkzeug aneignen, erlernen Männer den Umgang damit weitaus spielerischer. Diese Geschlechterdifferenzen und gruppendynamische Prozesse lassen für Frauengruppen - geschlechtshomogene Gruppen verlaufen angst- und konfliktfreier - möglichst ausschließlich Trainerinnen als ideale Vortragende erscheinen. Frauen sind tendenziell nicht nur an der Vermittlung von Fachwissen durch eine geeignete Person interessiert, sondern wollen viel mehr auch Informationen über den Lebenshintergrund der Trainingsperson. Findet sich für bestimmte Ausbildungseinheiten keine geeignete Vortragende, so sollen nur männliche Vortragende engagiert werden, welche bereit sind, sich mit der Geschlechterspezifik in Bezug auf IKT auseinanderzusetzen.

Geschlechtergerechter Sprachgebrauch
In den Ausbildungen ist auf eine frauenadäquate Sprache zu achten, das bedeutet unter anderem, die Teilnehmerinnen nicht als "Teilnehmer" anzusprechen. Frauenfeindliche und geschlechtsstereotype Beispiele/Witze müssen vermieden werden. Wo sie dennoch vorkommen, sollten sie deutlich abgelehnt werden.

Erweiterung des Rollenspektrums
Frauen als Modelle/Vorbilder im Bereich der neuen IKTs eröffnen neue Sicht- und Denkweisen. Um die Handlungsmöglichkeiten von Frauen zu erweitern, sind sowohl bei der Vermittlung als auch bei der Erstellung der Schulungsunterlagen bevorzugt Frauen als Agierende zu wählen: etwa Frauen in technischen Berufen, Frauen als Programmiererinnen oder als Entwicklerinnen von neuen Technologien.

Weibliche Lebensrealitäten
In der zeitlichen und organisatorischen Planung ist auf den Lebenszusammenhang von Frauen Rücksicht zu nehmen, etwa auf Kinderbetreuungspflichten oder auf die eingeschränkte Mobilität.
"Der Kurs verschafft mir die Basis, den PC professionell in meiner alltäglichen Arbeit bei der Zimmervermietung einzusetzen." (Lungauer Bäuerin)

Anwendungsbezug der Lerninhalte
Frauen beurteilen das Gelernte stark nach dem Praxisbezug. Aus diesem Grund sollten sich die Inhalte der Ausbildungsmaßnahmen grundsätzlich am Lebens- und Arbeitssituation der Teilnehmerinnen orientieren. So sind Beispiele für Erklärungen und Übungen möglichst an die Lebensrealität der Frauen anzupassen, damit sie das Gelernte sofort in die Praxis umsetzen können. Für eine Schulung von Bäuerinnen etwa ist die EDV-mässige Erstellung eines Stallbuchs eine sehr effiziente Arbeitserleichterung und dient zur guten Übung von Tabellenkalkulation.


2) Ganzheitliches Ausbildungskonzept

Längerfristige Ausbildungskonzepte verbinden private und politische Bildung, kognitives, soziales und emotionales Lernen. So sollen neben dem auf IKT bezogenen Know-how noch folgende Inhalte eingeplant werden:
"Der Mythos Internet ist nun gestürzt, und ich kann es nun als Arbeitsinstrument verwenden." (Internetkurs-Teilnehmerin)

Sozio-ökonomische, arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitische Relevanz
Der gesellschaftspolitische Kontext der Ausbildung ist den Teilnehmerinnen zu vermitteln: Sie sollen wissen, in welcher Weise ihre neue Qualifikation am Arbeitsmarkt wichtig ist und welchen Stellenwert IKTs auf dem Weg in die Informationsgesellschaft einnehmen. Ausbildungsteilnehmerinnen sind sehr häufig an den gesellschaftlichen Auswirkungen von computergestützten Systemen interessiert und fordern eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik ein: So thematisieren etwa in Internetkursen Frauen immer wieder die Auswirkungen der zunehmenden Kommunikation über die IKTs und äußern ihre Sorgen über eine zunehmende Isolation der Menschen.

Persönliche Reflexion über den Umgang mit neuen Technologien
Die Teilnehmerinnen sollen motiviert und angeleitet werden, sich während der gesamten Ausbildung mit ihrer eigenen Technik-Biografie und Technologie-Nähe-Distanz auseinanderzusetzen. Dies erleichtert Frauen den Einstieg in die Nutzung der neuen Technologien.

Integration von sozialpädagogischen Elementen
"Mir verkauft jetzt keiner mehr ein Bit für ein Byte." (Internetkurs-Teilnehmerin)
Es ist wichtig, im Ausbildungsplan eigene Module vorzusehen, die den gruppendynamischen Prozess begleiten. Dadurch werden Team-, Kooperations- und Konfliktfähigkeit sowie auch die Kritikfähigkeit der Teilnehmerinnen gestärkt. Parallel zur Ausbildung oder in diese integriert werden idealerweise weitere persönlichkeitsstärkende Inhalte vermittelt, etwa Rhetorik, Selbstmarketing, Bewerbungstraining, Projektmanagement.
Längerfristige Ausbildungen wirken häufig persönlichkeitsstärkend. Dies hat in der Regel bei einigen Teilnehmerinnen eine aktive Veränderung in ihrer Lebensumwelt zur Folge. Hier sollte den Frauen Hilfe angeboten werden.

 

3) Grundlagen und Infrastruktur

"Die Trainerin hat die Theorie so lustig vermittelt, dass keine eingeschlafen ist." (14jährige Schülerin)

Trainerinnenauswahl
Bei der Wahl der Trainerinnen ist nicht nur auf die fachliche Qualifikation zu achten sondern auch auf ihre Sozialkompetenz in bezug auf die zu schulende Zielgruppe. 16jährige Mädchen haben andere Anforderungen an eine Trainerin als etwa Bäuerinnen.

Gruppengröße
Ab neun Teilnehmerinnen ist eine 2. Trainerin bzw. eine Tutorin einzusetzen.

Kursbegleiterinnen/Tutorinnen
Ist bei längerfristigen Ausbildungsmaßnahmen ein Trainerinnenwechsel notwendig beziehungsweise verlangt die Gruppengröße ohnedies eine zweite Trainingsperson, bewährt sich der Einsatz von Kursbegleiterinnen/Tutorinnen. Diese unterstützen die jeweiligen Trainerinnen während der Schulungseinheiten und bieten idealerweise außerhalb der Unterrichtszeit den Kursteilnehmerinnen Hilfestellung. Ihre zentrale Funktion besteht in der Begleitung der Kursgruppe über die gesamte Ausbildungszeit: Bei einem Trainerinnenwechsel garantieren sie die Abstimmung der Inhalte auf die jeweils vorangegangenen Module sowie auf den Kenntnisstand der Teilnehmerinnen.

"Ich finde es so angenehm, dass die Computer und die Programme für das Kursgeschehen vorbereitet worden sind." (Internetkurs-Teilnehmerin)

Ausstattung
Allen Teilnehmerinnen ist ein mit den gleichen Programmen und Konfigurationen ausgestatteten eigenen Computerarbeitsplatz im Schulungsraum zur Verfügung zu stellen.

Lernumfeld
Lerneffizienz Regelmäßige Ruhepausen steigern den Lernerfolg! Gerade bei längerfristigen Maßnahmen ist darauf zu achten, im Ausbildungsgelände Erholungsräume außerhalb des Computerraumes anzubieten (wie Sitzgelegenheiten, Getränkeautomaten, Café, Raucherinnen/Nicht-Raucherinnenecken).

Anwenderinnenorientiertheit
Die Software soll für die Schulungsteilnehmerinnen verständlich sein. Daher ist darauf zu achten, dass vor allem in Anfängerinnenkursen deutsche Softwareversionen verwendet werden. Falls diese nicht existieren, sollen idealerweise deutschsprachige Hilfedateien und Handbücher zur Verfügung gestellt werden.

Kinderbetreuung
Da die Teilnahme von Frauen oft von einer vorhandenen Kinderbetreuung abhängig ist, empfiehlt es sich das Thema Kinderbetreuung in die Ausbildungsplanung einzubeziehen.

Betreuung und Hilfestellung nach Kursabschluss
Wichtig für die Zeit nach dem Kurs erscheint eine günstige Möglichkeit für Hilfestellungen bei kleinen Problemen. D.h., die Teilnehmerinnen erfahren während der Ausbildung, an wen sie sich auch nach der Ausbildung wenden können, wenn sie ausbildungsspezifische Fragen haben.


4) Zielgruppenorientierung

Die Ausbildung, deren Konzeption und die Wahl der Vermittlungsmethoden orientieren sich an Lebenssituation, Vorkenntnissen und Erfahrungen der Teilnehmerinnen.

Lebenssituation
In der zeitlichen Schulungsplanung muss die Lebenssituation der Teilnehmerinnen berücksichtigt werden: So verfügen Bäuerinnen über ein anderes Zeitbudget als erwerbsarbeitslose Frauen, Frauen mit Kinderbetreuungspflichten benötigen flexiblere Schulungszeiten

Lebensphase
Frauen mit unterschiedlichem Lebensalter und unterschiedlichen Lebenserfahrungen brauchen unterschiedliche Schulungsinhalte und Erklärungsbeispiele. Schülerinnen etwa sind um ein vielfaches mehr an Pop-Hitparaden interessiert als Bäuerinnen, die den Computer auf ihrem Hof einsetzen wollen.
"Die Erklärungen waren so einfach, bisher habe ich die Sprache über den Computer immer als Hemmschuh empfunden." (Internetkurs-Teilnehmerin)

Vorkenntnisse
Die Inhalte der Ausbildung sollen sich einerseits am Wissensstand der Teilnehmerinnen orientieren und andererseits auf die bisherigen Lernerfahrungen der jeweiligen Zielgruppen eingehen: So hat eine Frau, die gerade ihr Studium abgeschlossen hat , ein anderes Lernverhalten und andere Lernerfahrungen als Frauen, die schon länger nicht mehr in Schulungsprozesse eingebunden sind.

Zielgruppenspezifische Erfahrungen
"Als Mitglied der Trägerinnengruppe kann ich dazu beitragen, dass das Schulungskonzept auf unsere speziellen Bedürfnisse adaptiert wird." (Mitglied der Trägerinnengruppe und Schulungsteilnehmerin)
Frauen machen in dieser Gesellschaft andere Erfahrungen als Männer, aber auch zwischen Frauen bestehen große Unterschiede (Frau ist nicht gleich Frau!). Eine frauenadäquate Ausbildung hat diese Differenz der Erfahrungen zu beachten.

Mobilität
Frauen in ländlichen Regionen sind häufig mit Mobilitätsproblemen konfrontiert. Wenn sie über kein Auto verfügen und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, ist es für sie oft mit erheblichem Aufwand verbunden, die Ausbildungsorte zu erreichen. In diesem Sinn sollte sowohl versucht werden, den Ausbildungsort geografisch möglichst nahe bei der Zielgruppe zu wählen, als auch auf Fahrpläne der öffentlichen Infrastruktur Rücksicht zu nehmen ist.

 

5) Inhalte, Ziele und Methoden der Ausbildung

Alle diese Elemente sollen für die Teilnehmerinnen transparent und nachvollziehbar sein.

Vorabinformationen
Vor der Ausbildung sind die Teilnehmerinnen klar und realistisch über Ziele, Inhalte, Zertifizierung und arbeitsmarktpolitische Chancen zu informieren.

Nachvollziehbarkeit des Curriculums
Frauen sind in höherem Maße als Männer daran interessiert zu wissen, weshalb sie spezifische Inhalte lernen. Die Teilnehmerinnen müssen einen Überblick über den Verlauf der gesamten Ausbildung sowie über den Kontext der einzelnen Module erhalten.
"Ich habe gelernt, daß es am Computer immer verschiedene Möglichkeiten gibt, an ein Ziel zu kommen." (Lungauer Bäuerin)

Inhalte von EDV-Schulungen
In der EDV gibt es für alle Tätigkeiten viele Möglichkeiten, zu einem Ziel zu kommen. Entsprechend viele diverse Softwareprogramme stehen den UserInnen zur Verfügung. Es erscheint sinnvoller, Kursteilnehmerinnen so zu schulen, daß sie verstehen, was sie machen können und weniger, wie sie ein spezifisches Programm bedienen können. Eine derartige Herangehensweise "erzieht" die Lernenden dazu, sich auch anderer Software zu bedienen und nicht auf ein bestimmtes Software-Produkt fixiert zu sein. Das beste Beispiel dafür ist der Internet Dienst E-Mail: Wer E-Mail schreiben, lesen und verwalten möchte, brauche ich eine E-Mail Adresse, einen Usernamen, ein Password sowie die Daten vom Mailserver. Mit diesen Daten kann eine Userin, die E-Mail "versteht" zig verschiedene Mailtools bedienen und kommt immer zum gleichen Ergebnis. Aber nicht nur die Internet Dienste können mit verschiedenen Programmen benutzt werden, es gibt auch unterschiedliche Textverarbeitungs-, Tabellenkalkulations- und auch Datenbankprogramme.

Methodentransparenz
Die Ausbildungsmethoden sollen offengelegt werden.
"Ich finde es so toll, dass frau jederzeit fragen kann und dass das jederzeit in Ordnung ist." (Internetkurs-Teilnehmerin)

Inhaltliche Fragen
Frauen empfinden besonders in EDV-Kursen oft Scheu davor, Fragen zu stellen. Die Trainerinnen haben alle Kursteilnehmerinnen dahingehend zu motivieren, dass sie jederzeit und solange nachfragen bis alle Unklarheiten beseitigt sind.

 

6) Teilnehmerinnen-Auswahl

"Erst als es geheissen hat, dass 99jährige nicht mehr genommen werden, war mir klar, dass der Kurs auch für mich richtig ist." (55jährige Bäuerin)

Vorabinformationen
Im Vorfeld der Ausbildung sollten klare Informationen über Teilnahmebedingung sowie über die Methoden der Teilnehmerinnenauswahl vorliegen. Werden keine Vorkenntnisse vorausgesetzt, so sind die Interessentinnen explizit darauf hinzuweisen. Ist eine Kursmaßnahme für alle Altersgruppen offen, so sind besonders auch ältere Frauen zur Teilnahme zu motivieren.

Verfahren zur Teilnehmerinnenauswahl
In der Erwachsenenbildung wird vermehrt darauf geachtet, schriftliche und/oder digitalisierte Testverfahren in der Teilnehmerinnenauswahl möglichst zu vermeiden. Vielfach erleben Menschen, die solchen "Testsituationen" schon länger nicht mehr ausgesetzt waren, diese als sehr belastend. Erscheinen derartige Verfahren unumgänglich (etwa wenn eine Fragebogenerhebung nicht ausreicht), so sind in jedem Fall zusätzlich mündliche Aufnahmegespräche zu führen.

Finanzieller Wert der Ausbildung/Ausbildungsvertrag
Erfahrungsgemäß gilt auch bei EDV-Ausbildungen: Was nichts kostet, ist nichts wert. Besonders in geförderten Kursmaßnahmen ist es wichtig, die Teilnehmerinnen auf den finanziellen Wert der Ausbildung hinzuweisen. Darüber hinaus zeigen die Erfahrungen, dass auch Frauen desto mehr an der Qualität ihrer Ausbildung interessiert sind und diese auch einfordern, je höher ihre diesbezüglichen finanziellen Eigenleistungen sind. Ausbildungsverträge zwischen AusbildungsträgerInnen und Kursteilnehmerinnen haben positive Ergebnisse gezeigt: Darin waren zum einen die Inhalte und Kosten des Kurses festgelegt, zum anderen auch die Leistungen der Teilnehmerinnen aufgelistet: etwa Anwesenheitsqouten, Übungsphasen zu Hause, Gruppenarbeiten und Voraussetzungen für das Zertifikat.

 

7) Evaluierung

Längerfristige Ausbildungen sind in jedem Fall von Beginn an auf mehreren Ebenen zu evaluieren. Es ist von Vorteil, wenn die Evaluation Teil des Curriculums ist. Werden die Teilnehmerinnen in die laufende Evaluation einbezogen, haben sie die Möglichkeit, den Kursverlauf selbst mitzugestalten. Damit wird garantiert, dass die Ausbildung zielgruppenadäquat verläuft und bei Bedarf Modifikationen vorgenommen werden können. Teilnehmerinnen-Anregungen und Kritik sollten aufgegriffen und darauf in einer allen Teilnehmerinnen sichtbaren Weise reagiert werden: Erhält etwa eine Trainerin zahlreiche negative Rückmeldungen, so sollte sie nicht kommentarlos wieder eingesetzt werden.

Zudem ermöglicht eine Evaluation, die parallel zur Ausbildung verläuft, eine Darstellung der Lernfortschritte und Bewusstmachung des bisherigen Lernerfolges.

In einem weiteren Schritt können die Teilnehmerinnen mit Hilfe von Selbstevaluation lernen, den eigenen Lernfortschritt zu durchleuchten und dadurch ihren eigenen Bildungsweg zu gestalten. Eine gute Möglichkeit der Selbstevaluation sind Lerntagebücher: Jede Teilnehmerin hält darin ihre persönlichen Gesamtziele für die Ausbildung sowie auch die Teilziele für die einzelnen Module fest. Zu Ende jedes Moduls bzw. der Gesamtausbildung bewertet sie selbst kritisch ihre Lernerfolge.

 

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